Äppelkahn

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ca 1915 Berliner Osthafen - Zillen als Transportmittel
ca 1915 Berliner Osthafen – Zillen als Transportmittel

Die Äppelkähne waren eine „verloren gegangene Verpackung“, es waren billig gebaute Transportkähne, die ungefähr 200 Tonnen Ladung aufnehmen konnten. Der Ursprung ist im Kaffenkahn zu finden. Diese hölzernen, meist aus Kiefer und Fichte gebauten Wasserfahrzeuge waren in der Regel einfach gebaut, hatten keinen Steven, sondern an den Schiffsenden hochgezogene Bodenplanken, an die seitlich die Planken befestigt waren. Das so entstandene Schiffsende, die so genannte Kaffe, gab dem Kahn schließlich den Namen. Gestakt, getreidelt oder bei günstigem Wind gesegelt, wurden alle erdenklichen Waren transportiert. Die Berliner nannten diese Kähne Äppelkahn, weil diese Kähne in Böhmen mit Äpfeln beladen wurden und dann flussabwärts bis Berlin fuhren. Dort wurde das Obst verkauft. Man spricht auch oft von böhmischen Zillen.

Kaffenkähne zum Abwracken an der Liebesinsel in Alt Stralau
Kaffenkähne zum Abwracken an der Liebesinsel in Alt Stralau

Es rentierte sich nicht, diese Kähne wieder leer nach Böhmen zurück zu fahren, es war preiswerter, diese in Böhmen neu zu bauen. Daher wurden die Zillen ausgeschlachtet. Das heißt, man hat diese Kisten auseinander genommen und das Holz verwertet. Das war eine unvorstellbare Menge an Holz. Die Bohlen waren aus astreinen Nadelhölzern und ca. 40 cm breit und 12 m lang. Diese Hölzer hatte man zu Werkbänken oder ähnliches verarbeitet. Für die Zillenschlächter war dies ein sehr lukratives Geschäft.

Die letzten dieser Schiffe sind während des Krieges gesprengt und versenkt worden, um das Übersetzen der russischen Armee zu erschweren. Zu dieser Zeit sind die Zillen mit einem Schleppdampfer gezogen worden, an dem vier dieser Zillen dranhingen. Somit konnten 1.000 Tonnen an Güter bewegt werden. Zum Manövrieren sind drei Mann auf dem Dampfer notwendig gewesen, der Kapitän, ein Heizer und ein Schiffsjunge. Auf jeder Zille waren zwei Mann Besatzung, also 11 Personen pro Schleppverband, das macht heute ein Schleppkahn mit zwei Personen schneller und effektiver. Nach dem Krieg gab es keine Schiffsschleppverbände mehr. Die versenkten Zillen wurden aufgeslippt und an Land ausgeschlachtet. Einzig der Boden blieb erhalten, da dieser nicht verfault, dieser war immer im Wasser und ist somit beständig. Auf dem Holzboden setzte man in Stahl wieder Seitenwände auf und hatte somit Schleppkähne, die scheinbar aus Stahl waren, aber in Wirklichkeit einen Holzboden hatten. Dies war in den 40-ziger und Anfang der 50-ziger Jahre quasi ein Übergang bis die Schubschiffe gebaut und eingesetzt wurden.


Günter Jürgens hat für uns im Jahr 2009 seine Unterlagen durchgesehen, um festzustellen, welche Schiffstypen im Norddeutschen Raum um 1900 verkehrten.

Logo Kaffenkahn e.V
Logo Kaffenkahn e.V

Kaffenkahn

etwa ab 1700, der letzte Kaffenkahn soll 1898 in Uckermünde gebaut worden sein.

Weitere Informationen finden Sie auf der Seite von Kaffenkahn-ev.de

Die Quatze

11-16 m lang, 4-6,25 m breit, 1,5-2,5 m tief, 9 – 40 BRT, zum Teil seetüchtige Fahrzeuge, die bis zum Bottnischen Meerbusen und nach Südschweden verkehrten.

Der Pommersche Haffkahn

Länge bis 40,2 m, Breite bis 4,6 m (Finowmaß), Höhe bis 2,5 m, 250 -300 t, Verbreitungsgebiet Stettiner Haff, Oder, märkische Wasserstraßen, Elbe bis Hamburg

Buk- oder Bockkähne

Abart der Kaffenkähne aber auch ohne Kaffe, verkehrten auf der Ihna, Tollense, Trebel und Dahme

Steven- oder Spitzkahn

Bis 500 t, Stralsund bis Rügen, auch Fahrten bis Berlin, Stettin

Zillen

Fluß- oder Kanalschiff, Finowmaß 40,2 m lang, 4,6 m breit, auch Finowkanalgröße genannt, 150 – 220 t, in Ausnahmefällen bis 50 m Länge, 6.00 m Breite, bis  500 t, Ursprung Böhmen, meist für den Transport von Braunkohle, Basaltschotter oder Obst nach Magdeburg, Hamburg und Berlin verwendet, viele wurden bereits nach der ersten Fahrt in den sog. „Zilleschlächtereien“ zerschlagen und als gebrauchtes Holz verkauft (jährlich etwa 400 !), manche Zillen wurden durch Kleinschiffer aufgekauft und noch 3-4 Jahre lang zur Beförderung von Baustoffen und anderen weniger wertvollen Dingen verwendet. Anm. der Redaktion: Viele der Zillen sind zum Beispiel für den Transport von Baumaterialien zwischen dem nahegelegenen Rüdersdorfer Kalksandwerk und dem Osthafen in Berlin eingesetzt worden.

Berliner Zillen (Stevenzillen oder auch als Kaffenzillen)

aus Kiefernholz, bessere Verarbeitung, längere Lebensdauer, bis 225 t

Oderkahn

Finowkanalmaß, von der Saale bis zum Memelstrom, 100 – 150 t

Stevenkahn

Finowkanalmaß oder auch nach Berliner Maß 46,6 m Länge, 4,6 m Breite

Zu den beschriebenen Schiffstypen ließe sich noch unendlich viel mehr sagen. Wer mehr wissen will, der muss eben sehr viel tiefer in die Materie einsteigen. Es werden irgendwo noch Schiffe aus dieser Zeit unter dem Schlamm der Seen und Flüsse begraben liegen. Wie man sie findet, auch unter dem Schlamm, könnt Ihr hier lesen…

 

Zuarbeit: Manfred Ernst, Reimer Hoffmann und Günter Jürgens – Vielen Dank für die wertvollen Hinweise!

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Mein Name ist Detlev Pickert, geboren 1957 in Berlin-Zehlendorf und der webmaster dieser Plattform. Durch meine Tätigkeit im Großkauf am Saatwinkler Damm Ende der 1970-er verbrachte ich sehr viel Zeit mit der Beobachtung der Testfahrten von Dieter König und seinem Team am Saatwinkler Damm. Von Anfang an war die Geschichte der Boote etwas, das mich faszinierte. Es ist die Geschichte oder Provenienz, wie es heute genannt wird, die uns erzählt, was das Boot durchgemacht hat, wem es gehörte und wie es einst entstanden ist. Das war für mich der Beginn, dieses erstaunliche kulturelle Erbe zu dokumentieren und festzuhalten. Durch hunderte von Interviews mit alten Bootsbauern, Werftbesitzern und Motorenschlossern sowie Recherchen in Bibliotheken, Büchern und Magazinen hat sich ein umfangreiches Wissen angesammelt. Nach einer Pause von etwa zehn Jahren wird nun sukzessive dieses Wissen auf dieser Plattform veröffentlicht. Keine Geschichte ist abgeschlossen, da täglich neue Informationen hinzukommen. Ich habe weder Germanistik noch Journalismus studiert; ich schreibe einfach so, wie mir meine Gedanken kommen. Wer sich daran stört, findet sicherlich andere Seiten, auf denen er sich wohler fühlt. Wer sich an meiner Arbeit erfreut, darf gerne über den Spendenknopf einen Kaffee ausgeben. Ich danke für Eure Unterstützung.